Ärztliche Hilfe trotz geschlossener Praxis

Krankheiten halten sich bekanntlich nicht an Uhrzeiten und Wochentage. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst und die Rufnummer 116117 ist Ihre medizinische Versorgung auch außerhalb der regulären Sprechzeiten der Arztpraxen gewährleistet. 

Überlastung der Notfallambulanzen

Leider wissen noch immer viel zu wenige Menschen, an wen sie sich mit leichteren gesundheitlichen Problemen wenden können, wenn ihre Arztpraxis geschlossen ist. Das führt dazu, dass gerade am Wochenende und spätabends Menschen die 112 anrufen oder die Notfall ambulanz aufsuchen, obwohl es gar nicht nötig wäre. Aufgrund dieses Verhaltens entwickelt sich häufig eine extreme Überlastung des medizinischen Personals und der Arbeitsabläufe in den Krankenhäusern. Die Notfallambulanzen sind auf die Behandlung von Patienten ausgelegt, die sich akut in Lebensgefahr befinden. Die Behandlung erfolgt nach Dringlichkeit. Das bedeutet: Patienten mit schweren Erkrankungen haben Vorrang und werden zuerst behandelt. Für die weniger dringenden Fälle entstehen vielfach stundenlange Wartezeiten. Das ist nicht nur unangenehm für alle Beteiligten, sondern kann letztlich sogar die Versorgung der echten Notfälle erschweren. Wir möchten aufklären!

Wann die 112 wählen?

Wenn Lebensgefahr besteht, sollten Sie sofort den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 verständigen – wie etwa bei einem schweren Unfall, Bewusstlosigkeit oder beispielsweise dem Verdacht auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Gleiches gilt für das Aufsuchen der Notfallambulanzen in den Krankenhäusern. Um Missverständnisse zu vermeiden: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen werden hier natürlich nicht ausgestellt.

Ärztliche Hilfe über die 116117

Was können Sie tun, wenn Sie zwar nicht lebensbedrohlich erkranken, aber trotzdem eine ärztliche Behandlung benötigen – und das am Abend, in der Nacht, an einem Feiertag oder am Wochenende, und Sie nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können? In einer solchen Situation außerhalb der regulären Sprechzeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst zuständig. Hier bekommen Sie schnell und unkompliziert ärztliche Hilfe. Über die Rufnummer 116117 erreichen Sie medizinisch geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ihrer regionalen Leitstelle. In allen dringenden medizinischen Fällen, bei denen keine Lebensgefahr besteht, vermittelt der Dienst Ihnen die nächste geöffnete Bereitschaftspraxis oder schickt bei Bedarf einen Arzt zu Ihnen nach Hause. Bei lebensbedrohlichen Notfällen wählen Sie bitte in jedem Fall die 112.

Kostenfrei und bundesweit einheitlich

Die Rufnummer 116117 ist kostenfrei und ohne Vorwahl aus jedem Bundesland über Festnetz, Mobilfunk und Internet erreichbar – und zwar immer dann, wenn die Arztpraxen üblicherweise geschlossen haben. In den Bundesländern Bayern, Berlin, Hamburg und Hessen sind die Vermittlungsstellen ganzjährig rund um die Uhr besetzt. Für den ärztlichen Bereitschaftsdienst entstehen Ihnen keine Kosten: Die Abrechnung erfolgt wie bei Ihrem Haus- oder Facharzt über Ihre elektronische Gesundheitskarte. 

Demnächst rund um die Uhr erreichbar

Ab 1. Januar 2020 werden unter der Rufnummer 116117 die weiterentwickelten »Servicestellen für ambulante Versorgung und Notfälle« deutschlandweit das ganze Jahr über 24 Stunden täglich besetzt sein. Das bedeutet: Auch weiterhin erhalten Sie unter der 116117 Hilfe, wenn Sie außerhalb der Praxissprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Anspruch nehmen möchten. Darüber hinaus bekommen Sie aber auch Unterstützung bei der Vermittlung von Arztterminen. Diese Leistung erfolgte bisher über die Terminservicestellen. 

Folgende Leistungen erhalten Sie über die Servicestellen unter der Rufnummer 116117:

  • Sie können sich Termine bei Haus- und Kinderärzten vermitteln lassen und sich bei der Suche nach einem Haus-, Kinder- und Jugendarzt für die dauerhafte Versorgung unterstützen lassen. 
  • Die Servicestellen gewährleisten eine Vier-Wochen-Frist für die Vermittlung termingebundener Kindervorsorgeuntersuchungen.
  • Im Akutfall werden Sie auch während der regulären Sprechstundenzeiten an eine Arztpraxis oder Notfallambulanz im Krankenhaus vermittelt. 
  • Die Servicestellen sorgen dafür, dass Sie bei Bedarf innerhalb von zwei Wochen eine psychotherapeutische Akutbehandlung erhalten. 

Wenn es doch nicht so dringend ist

Viele leichtere gesundheitliche Beschwerden wie eine leichte Erkältung, vorübergehender Durchfall oder eine einfache Magenverstimmung klingen meist von allein wieder ab und lassen sich gut mit einfachen Hausmitteln lindern – so zum Beispiel mit viel Ruhe, einer Wärmflasche, Tee oder einer Inhalation. Ein Arztbesuch ist jedoch ratsam,wenn sich die Symptome verschlimmern oder länger als wenige Tage andauern. 

Sie haben Fragen? 

Gern helfen wir Ihnen weiter, wenn Sie Fragen zur Kostenübernahme von Gesundheitsleistungen haben. Sie erreichen uns unter unserer kostenfreien Servicenummer 0800 0435510. 

Umfassende Informationen über den ärztlichen Bereitschaftsdienst und die Rufnummer 116117 erhalten Sie im Internet unter: www.116117.de sowie unter: www.kbv.de


Quellen: 
Der ärztliche Bereitschaftsdienst (www.116117.de)
Bundesministerium für Gesundheit (www.bundesgesundheitsministerium.de/terminservice-und-versorgungsgesetz.html)