Die lauten und die leisen Kinder

Ob jemand eine eher intro- oder extrovertierte Persönlichkeit besitzt, zeigt sich bereits im Kindesalter. Während die einen aktiv und kontaktfreudig sind, sind die anderen zurückhaltender und beschäftigen sich gern allein.

»Kannst du mal für fünf Minuten still sein?« und »Nun konzentrier dich doch endlich mal!«: Solche Sätze bekommen wohl eher extrovertierte Kinder von ihren Eltern zu hören. Introvertierten Kindern werden vielleicht Sätze wie »Erzähl doch mal was« und »Spiel doch auch mal mit den anderen Kindern!« bekannt vorkommen. Hilfreich sind diese Ermahnungen nicht. Denn ob Kinder still oder laut, kontaktfreudig oder zurückhaltend sind, das hängt einerseits von ihrer momentanen Stimmung ab, andererseits aber auch von ihrer Persönlichkeit, die eher extrovertiert oder introvertiert sein kann. 

Als extrovertiert (oder auch extravertiert) werden Menschen bezeichnet, die ihre Aufmerksamkeit stark auf die Außenwelt richten. Sie gelten als kontaktfreudig, gesprächig, fröhlich, stehen gern im Mittelpunkt. Wer introvertiert ist, wendet den Blick mehr nach innen, verhält sich ruhiger, denkt viel nach und besitzt die Fähigkeit, sich lange und konzentriert allein mit einem Spiel oder einer Aufgabe zu befassen. 

Weil die Introvertierten sich weniger auffällig verhalten, werden ihre Vorzüge manchmal übersehen – zum Beispiel in der Schule, wenn sie dem Unterricht aufmerksam folgen, sich aber nicht so schnell aktiv einbringen. Das liegt daran, dass sie erst einmal genau nachdenken, bevor sie etwas sagen. Außerdem stehen sie häufig nicht gern im Mittelpunkt. Deshalb werden sie von Erwachsenen fälschlicherweise oft für schüchtern gehalten. Dabei sind sie weder unsicher noch ängstlich, sondern verhalten sich einfach nur so, wie es ihrer Persönlichkeit entspricht. 

Das zeigt sich auch im Umgang mit anderen. Extrovertierte schöpfen Kraft aus der Interaktion. Bei Introvertierten ist es umgekehrt: Sie »laden ihre Akkus« auf, indem sie Ruhezeiten für sich haben, insbesondere nachdem sie in der Schule, in der Kita oder auf dem Spielplatz waren. 

Beide Persönlichkeitstypen haben ihre Stärken und Schwächen. Die meisten Menschen besitzen sowohl intro- als auch extrovertierte Eigenschaften, die in Abhängigkeit von der Situation und der aktuellen Gemütsverfassung mal mehr und mal weniger zum Ausdruck kommen oder auch gleich stark ausgeprägt sein können. Eine Tendenz in eine der beiden Richtungen ist dennoch nicht selten.

Am besten können Eltern ihre Kinder unterstützen, indem sie ihre individuelle Persönlichkeit respektieren, verständnisvoll mit ihnen umgehen und auf ihre individuellen Bedürfnisse Rücksicht nehmen.