Was sind »individuelle Gesundheitsleistungen«?

Individuelle Gesundheitsleistungen (kurz: IGeL) sind ärztliche Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die nicht zum gesetzlichen Leistungskatalog der Krankenkassen gehören. Möchten Sie eine solche Leistung in Anspruch nehmen, müssen Sie diese in der Regel selbst bezahlen.

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für alle Untersuchungen und Behandlungen, die medizinisch notwendig sind. Diese Leistungen wurden sorgfältig geprüft und in den gesetzlichen Leistungskatalog aufgenommen. 

Viele niedergelassene Ärzte bieten zusätzlich zu den gesetzlichen Leistungen sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen an – kurz IGeL. Diese Leistungen sind nicht Teil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen. Das bedeutet: Wer IGeL in Anspruch nehmen möchte, muss sie in der Regel selbst bezahlen. Dazu zählen unter anderem kosmetische Eingriffe, der PSA-Test als Methode zur Früherkennung von Prostatakrebs oder die vorsorgliche Messung des Augeninnendrucks zur Glaukom-Früherkennung. 

Bei vielen IGeL handelt es sich um Maßnahmen, deren Nutzen oftmals zweifelhaft ist oder deren Risiken noch nicht abschließend untersucht wurden. Besonders häufig finden sich unter den individuellen Gesundheitsleistungen Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten. Diese können jedoch auch falsche Ergebnisse liefern und Behandlungen nach sich ziehen, die mehr schaden als nützen. Zudem können IGeL auch Maßnahmen beinhalten, die unzureichend getestet, risikoreich oder unnötig sind. Andere IGeL sind medizinisch zwar sinnvoll, fallen aber in den Bereich der privaten Lebensführung und Gesundheitsvorsorge. Es gilt bei IGeL oft: Nicht alles, was möglich ist, ist auch medizinisch notwendig.

Wenn Ihr Arzt Ihnen eine IGeL anbietet, fragen Sie ihn darum, 
• warum diese Maßnahme nicht über Ihre Gesundheitskarte abgerechnet wird,
• warum er eine gesetzliche Leistung nach seiner Meinung als nicht ausreichend ansieht,
• welchen Nutzen die Maßnahme für Sie hat,
• ob die Methode geprüft ist und ob es Risiken gibt,
• mit welchen Kosten Sie für etwaige Folgebehandlungen rechnen müssen.

Skepsis ist ebenfalls angebracht, wenn der Arzt oder das Praxispersonal Sie bereits vor der Untersuchung auf IGeL anspricht. Viele vorsorgliche IGeL-Maßnahmen kann der Arzt nach einer Untersuchung über die Gesundheitskarte abrechnen, wenn er einen konkreten medizinischen Anlass für diese Maßnahme sieht. 

Eine Nutzenbewertung häufiger IGeL-Angebote finden Sie unter: www.IGeL-Monitor.de